Gute Hirtin werden
Kennenlernen
Wenn ich einer Guten Hirtin begegnet bin oder etwas über die Gemeinschaft gelesen, gehört oder im Internet gefunden habe, und wenn ich dann spüre, dass ich „das“ auch leben möchte, dann nehme ich am besten einen ersten Kontakt auf.
Die Adresse der Ansprechpartnerin finde ich auf dieser Homepage.
Über Telefon oder per e-mail können passende Zeiten vereinbart werden.
- Wenn mich Inhalte der Gemeinschaft zu Apostolischem Eifer und Spiritualität, zum Verständnis von Ordensleben in einer apostolischen oder kontemplativen Ausrichtung oder eine andere Form von Zugehörigkeit zur Gemeinschaft interessieren;
- wenn ich herausfinden will, ob die Gemeinschaft mit dem übereinstimmt, was in mir lebt, dann sollte ich weiteren Kontakt aufnehmen.
- Wenn ich spüre, dass mein Interesse brennender wird und mich die Gemeinschaft nicht los lässt, dann lädt mich die Ansprechpartnerin zu weiteren Begegnungen oder auch Festen der Gemeinschaft ein, damit ich ‚hautnäher’ spüren kann, was davon in mir klingt und wie es ankommt. Gleichzeitig wird sie mir anbieten, mit ihr über das zu sprechen, was mich bewegt in Bezug auf die Schwestern vom Guten Hirten, was ich brauche, um mir sicherer in meiner Entscheidung zu werden etc.
Phase I der Integration
Wenn ich nicht anders kann als das Leben als Gute Hirtin mal ausprobieren und mich in die Gemeinschaft integrieren zu wollen, dann melde ich dies an. Ich spreche auch mit der Provinzleiterin, was sie davon hält und in Dialog mit der Leitung der Gemeinschaft wird mein Interesse allen Mitgliedern in Deutschland öffentlich gemacht. Dann beginnt „offiziell“ die Phase I der Integration.
Ich bereite mich vor, den Schritt zum Eintritt zu wagen. Das kann verschieden lange dauern. Voraussetzung sind in der Regel zumindest ein abgeschlossenes Studium oder eine abgeschlossene Berufsausbildung, besser noch mit Berufserfahrung. Und ich muss in der Regel ein Jahr die Gemeinschaft kennen und an verschiedenen Begegnungen teilgenommen haben. Das wird jeweils persönlich ausgemacht.
Warum Integration?
Der Gemeinschaft ist es wichtig zu betonen, dass jede Frau, die sich der Gemeinschaft anschließt, die Gesamtgemeinschaft verändert. Sie bringt ihr Ureigenes mit und trägt zum Leben in Gemeinschaft, zur Sendung und Spiritualität bei. Dieses Neue an Person und Sein wird in die Gemeinschaft integriert.
Doch ungleich mehr „Integrationsarbeit“ liegt auf der Seite der neu Hinzukommenden. Es sind die konkreten Mitschwestern und Gäste im Haus, oft eine neue berufliche Arbeitsstelle, Gebet und Meditation, die einen neuen Tagesrhythmus erfordern. Auch hat unsere weltweite Gemeinschaft eine fast vierhundertjährige Geschichte, die vieles geprägt hat und erst so manche Haltungen und Vorgehensweise besser verstehen lässt. In Deutschland kann ich mich in Frankfurt offiziell den Schwestern vom Guten Hirten anschließen. Die Phase I wird in der Regel in Deutschland verbracht.
Phase II der Integration
Nach dem Eintritt sieht die Gemeinschaft eine Einführungszeit von mindestens 2 Jahren vor. Diese Integrationsphase II beinhaltet die Integration „nach innen“ in die Gemeinschaft, während die Phase des Kennenlernens und ersten Hineinwachsens in die Gemeinschaft „von außen“ die Integrationsphase I ist. Phase II wird je nach sprachlichen Vorkenntnissen im Englisch- oder Französisch-sprechenden Ausland verbracht, wo es Schwestern vom Guten Hirten gibt.
Die größte Herausforderung in Phase II (das ist die offizielle Noviziatszeit) ist für sich persönlich herauszufinden, was es heißt, eine Gute Hirtin zu sein. Das Motto unserer Gründerin, der hl. Maria Eufrasia Pelletier: „Ein Mensch ist mehr wert als die ganze Welt“, durchzieht alles: Sendung und Spiritualität, das tägliche Leben innerhalb und außerhalb von Gemeinschaft. Sie entstammt dem Charisma des Apostolischen Eifers und dem Dienst der Versöhnung und ist Hauptmerkmal der Schwestern vom Guten Hirten. Ich lerne es inmitten eines ganz gewöhnlichen Alltags, wozu auch berufliches Engagement gehört, wenn auch teilzeitig. Das stellt manch alt Gewohntes im Verständnis von Arbeit und Beruf über den Kopf, ebenso die Vorstellung von Beziehung oder von spirituellem Leben.
Es gilt, dies mitten im Alltag einzuüben. Dazu gehören die berufliche Arbeit in einer Teilzeitanstellung sowie die Teilnahme am Gemeinschaftsleben vor Ort. Persönliche Begleitung und regelmäßige Treffen mit allen in der Integration helfen, den eigenen Weg zu reflektieren und der persönlichen Berufung nachzuspüren, um am Ende von Phase II zu einer Entscheidung zu kommen: Will ich diesen Weg als Schwester vom Guten Hirten in der Gemeinschaft weitergehen und mich für eine bestimmte Zeit an Gelübde binden oder nicht? Oder will ich als „Freundin des Guten Hirten“ meinen Weg gehen?
Phase III
Wenn ich meine ersten Gelübde auf eine bestimmte Zeit abgelegt habe, dann bin ich in der Phase III. Diese dauert in der Regel 5-6 Jahre. Hier geht es dann um die Vertiefung meiner Entscheidung bzgl. Sendung und Spiritualität, der Option: Gute Hirtin zu sein in der Lebensform der Gelübde in der weltweiten Gemeinschaft der Schwestern vom Guten Hirten zu leben. Es geht auch darum, meinen ganz eigenen Beitrag genauer zu profilieren und meinen Platz in der Gemeinschaft immer mehr zu finden und einzunehmen.
In dieser Zeit ist immer auch eine „Auszeit“ von der Beruflichen Tätigkeit geplant, um anstehenden Fragestellungen ungestört nachgehen zu können oder Erfahrungen zu machen, die helfen zu wachsen in Sendung und Spiritualität, zum Hineinwachsen in die internationale Gemeinschaft. Dazu gehört in der Regel auch ein Aufenthalt (länger oder kürzer) in einer anderen Kultur, um zu wachsen in dem Bewusstsein der eigenen Kultur und ihrer ausgesprochenen und unausgesprochenen Werte, Riten und Gewohnheiten und der interkulturellen Kompetenz. Gerade die Auszeit wird individuell geregelt und gestaltet.
Diese Phase hat mehrmalige „Orientierungspunkte“. Immer dann wenn eine Zeitspanne der zeitlichen Gelübde abgelaufen ist, dann wird erneut „ausgewertet“, ob denn dieser Weg mich glücklich macht, ob er wirklich das ist, was ich will und ob die Gemeinschaft mich auch als Gute Hirtin auf Lebenszeit sieht.
Neben jährlichen Exerzitien und Intensivzeiten mit Gott steht dann die endgültige Entscheidung an. Will ich mich auf ewig an Gott in dieser Gemeinschaft binden oder nicht?
Ist die Entscheidung gefallen, dann steht eine intensive Vorbereitungszeit auf die ewige Profess an, die auch jeweils ganz persönlich gestaltet ist, wo manche auch die Großen Exerzitien (30 Tage) machen.
Schließlich ist die ewige Profess ein großes Geschenk für alle, denn ein Leben als Schwester vom Guten Hirten kann ich nicht machen, sondern es ist die Antwort auf den Ruf Gottes, in meinem Leben eine „versöhnende Präsenz“ im Herzen einer verwundeten Welt zu sein.